Der alte Maulwurf erinnert sich

Eine Parabel – inspiriert durch das Buch Maulwurfstadt, Torben Kuhlmann, NordSüd Verlag AG Zürich, ISBN:978-3-314-10274-5.

Heute besuchen wir den alten Maulwurf in seinem Heim, tief in der Erde.

Er erinnert sich an Zeiten, als noch Leben in seinen Gängen, auf seiner Wiese und am Himmel war.

Da wurde gegraben, da wurden Haufen aufgeworfen, da wurde gelacht, getanzt, gesprochen, gealbert, getrunken, gebraten, gegrillt, gegessen, genörgelt, gelästert, gemotzt, geschimpft, gestartet, geflogen, gelandet, gezogen, geschleppt, geklebt, gewischt, gemäht, geschaufelt, geputzt, alle miteinander.

Heute? Es ist ruhig geworden, oben auf der Wiese. Andere Themen stehen im Vordergrund.

Umwelt und Natur, das Wasser des Flusses, Pflanzen, Tiere und viele umweltbewußte Menschen schreien nach Wiederherstellung des alten Flussbettes.

Torben Kuhlmann, Maulwurfstadt, NordSüd Verlag AG Zürich ISBN:978-3-314-10274-5

Die Erlaubnis des Verlags zur Veröffentlichung der Bilder liegt vor.

Die Spatzen pfeifen es ins Land: Bald ist es soweit. Die Stadtmaus hat es auf ihren Wegen an den Fenstern und auf den Fluren der Häuser gehört.

Der alte Maulwurf, der letzte seiner Art in der Aue, hat es befürchtet und kommen sehen. Er setzt sich in seinen gepolsterten Sessel aus Balsaholzresten, die er auf der Wiese vor Jahren gefunden hat, schaltet seinen Bildschirm ein, lehnt sich zurück, schaut noch einmal auf seine Wiese und genießt still, bevor er seine Koffer packen muss und wird:

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Der alte Maulwurf – nichts Neues hinter den Bagatellen

Eine Parabel – „Du, Stadtmaus, ich habe Neues“, begrüßt der alte Maulwurf die Stadtmaus in seinen Gängen unter der kraftlos wirkenden, feuchten und kalten Wiese. „Sei mal ganz leise und setze Dich dort in den Sessel, der vor dem Süd-Loch steht.“ Die Stadtmaus klettert, erreicht nach einiger Anstrengung mit einem großen Satz die Armlehne, streckt sich zum Loch aus und bleibt ganz, ganz ruhig und erwartungsvoll liegen.

„Da singt einer, ich höre es ganz genau aus der Tiefe Deiner Gänge, etwas leise. Hermann, hör doch mal auf, Deine Krallen vom Lehm zu reinigen. Das macht so viel Krach; ich verstehe den Text nicht, der da in der Ferne gesungen wird. Moment, da ist es wieder.“ Die Stadtmaus summt leise mit: „Über sieben Brücken…“ und rückt näher. „Schade jetzt ist es auf einmal vorbei. Hermann, ist da Peter Maffay in den Gängen?“ „Nein, das sind andere. Bleib nur liegen, es geht bestimmt gleich weiter mit einem anderen alten Stück.“

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Hermann der alte Maulwurf rückt seine Brille zurecht, zieht den Topf mit dem Zittergras aus dem Dunkel nach vorne und beginnt: „Die haben offensichtlich eine ganze Sammlung, eine ganz kleine inzwischen vermottete, legen immer wieder mal auf und dann nach. Zwischendurch hallt es durch die Gänge, ein dieee, iiich, deeeer, iiich, daaadaaa, iiich und anderes unverständliches Zeug oder man hört ein aufgeregtes Hinundher. Hörst Du, da setzt sich wieder einer bei den anderen in Szene und feuert im Takt laustark an: Den mache ich… den machen wir… Den mache ich… Maus, das höre ich öfter.“

„Und was spielen die da immer so?“ fragt die Stadtmaus. „Ach, ich höre das alles seit langer Zeit, mal mehr mal weniger, aber nichts wirklich Neues, eher so aus der verstaubten Ecke Alte Kameraden. Manche Scheiben hören sich inzwischen auch schon reichlich verkratzt an, zu oft wurden sie schon abgespielt. Und stell Dir mal vor, da ist wohl auch einer, den sie immer zu ihren Treffen dazu holen und der ihnen dann einzelne, bereits deutlich strapazierte Platten, nichts Neues aus der Sammlung auflegen darf. Wenn der dabei ist, wird es auch schon mal peinlich. Das macht der natürlich bestimmt nicht umsonst. Und eins sage ich Dir meine liebe Stadtmaus, glaube es mir, besser und beliebter wird die Musik dadurch auch nicht, im Gegenteil: ich kann sie nicht mehr hören.“

Die Stadtmaus springt vom Sessel, versucht erfolglos das Möbelstück vor das Loch zu stellen, aus dem immer noch zunehmend wirre, mit Hass erfüllte Töne kommen, holt ihr Tablett hervor, so etwas hatte sie kürzlich bei Menschen gesehen, drückt auf eine Taste und sagt mit einem Lächeln: „Hermann, was sollen die Lapalien, ich bin der König, der von Scheißegalien.

Hermann, schau mal und hör einfach zu:“

Udo Lindenberg - König von Scheißegalien [Walk on the wild side] (offizielles Video)

Die Stadtmaus erzählt – Mein erstes Flugzeug

Eine Parabel – Kürzlich lief mir die Stadtmaus über die Füße. Sie flüchtete aus dem Gericht, nicht als Angeklagte. Nein, angewidert von dem, was sie mit anhören und sehen musste. Wie Menschen, frühere Freunde sich in Szene setzen, öffentlich versuchen andere fertig zu machen, sich nicht scheuen, aus der Deckung des vor ihnen liegenden Papiers und elektronischem Gerät, blätternd und bedeutungsvoll wischend, bekannte Langspielplatten aus ihrer vermotteten Sammlung suchen und auflegen, Halbwahrheiten verkünden, ablenken, sich ungehörig auch gegenüber nach Recht Suchendem verhalten, unbeherrscht mit süffisantem Schmunzeln ihre ganze Überheblichkeit durch das Gebäude tragen und gütliche Einigung ablehnen.

Die Stadtmaus blieb stehen, hielt inne, schaute sich um, mich freundlich an und erinnerte sich und mich mit einem ehrlichen Lächeln an das kleine Flugzeug, ihr erstes Flugzeug, das ich ihr vor einigen Jahren gebaut und geschenkt hatte. Die kleine Bleriot, gefedertes Fahrwerk, die Maschine mit der die Stadtmaus damals sicher und stolz durch die Halle flog und landete.

Danke“, sagte die Stadtmaus und verabschiedete sich mit den Worten: „Stimmt das eigentlich, dass die elektronischen Tabletten, ach nein, die heißen glaube ich Tabletts, die ihr Menschen jetzt habt und an denen ihr euch unsicher festhaltet, auch unbemerkt Ton aufzeichnen können? Wenn Du mich suchst, ich wohne jetzt weiter weg und fliege mit unserer Bleriot in einer anderen Halle.

Das erste Flugzeug der Stadtmaus ist eine Hommage an Torben Kuhlmann, dessen zauberhafte Bücher und Illustrationen zu dem Bau der kleinen Flugmaschine inspiriert haben.

Eigenbau Balsaholz, Depron, 500 mm Spannweite, 440 mm Länge, 87 g Gewicht, Brushless Turnigy 1811-1500, Prop 5x3, Akku 2S 180 mAh

Mein erstes Flugzeug Die Stadtmaus erzählt

Die Bücher von Torben Kuhlmann sind erschienen im NordSüd Verlag – sie sind zauberhaft illustriert. Alles rund um die Mäuseabenteuer finden Fans unter www.mäuseabenteuer.com

Das Buch Lindbergh – Die abenteuerliche Geschichte einer fliegenden Maus zeigt den Ideenreichtum und die große Begeisterung von Torben Kuhlmann für kuriose Erfindungen.

Die Bildsprache von Torben Kuhlmann ist genial.
Carsten Matthäus, Süddeutsche Zeitung

Eine traumhaft anmutende Geschichte, die auch die Fantasie der Lesenden beflügelt.
Manfred Keiper, Lesart 3/2020

  • Kinderbuchpreis des Landes Nordrhein-Westfalen, November 2016
  • Deutscher Jugendliteraturpreis, Nominierung, 2015
  • Troisdorfer Bilderbuchpreis der Kinderjury, 2015
  • Golden Island Award, 2015
  • Stiftung Buchkunst, Die schönsten deutschen Bücher , 2014
  • INDIEFAB Award, 2014
  • LUCHS, Juni 2016
  • Leipziger Lesekompass, November 2013

Der alte Maulwurf erzählt

Eine Parabel – Zu jener Zeit, als mein geliebter Vater mich in den Auen besuchen wollte und beim Überqueren der Straße an den Kleingärten von einem Schneewittchensarg erfaßt und getötet wurde, war auf meiner Wiese reger Modellflugbetrieb. Ach, ruft die Stadtmaus dazwischen, den gab es da auch mal? Klingt interessant.

Alle hatten Freude und fühlten sich wohl. [Setzt der alte Maulwurf fort; dabei legt er mit etwas Wehmut eine Schallplatte der Rockband Deep Purple auf]. Die Luft gehörte damals den Modellfliegern, der Lehm uns Maulwürfen und das Gras teilten wir uns mit den Menschen. Wir alle gingen fair und achtsam miteinander um.

[ Im Hintergrund knistert es leise, eine relativ einfache Tonfolge, auf einer Hammond-Orgel gespielt, von zurückhaltendem Schlagzeug begleitet, erfüllt den Raum des Erzählers und seiner Zuhörer.]

Es war eine schöne Zeit bis, ja bis vor gar nicht allzu langer Zeit die neuen Chefs der Menschen uns nicht mehr mochten und anfingen uns zu vertreiben. Sie steckten Mottenkugeln, Toilettenduftsteine in unsere Gänge, schütteten stinkende Milchsäure in unser Heim und brachten mit schweren Walzen unser Erdreich zum Erbeben und auch zum Einsturz.

[Ian Gillan beginnt im Hintergrund mit leisem, im Verlauf des Stückes immer lauter werdendem Gesang. Zusammen mit dem Bass beginnt eine Serie hilferufähnlicher Schreie]

Viele unserer Freunde wurden verschüttet oder konnten sich schwer verletzt auf nahegelegene Hügel retten.

Es war und ist bis heute nur zum Schreien

Child in Time – Es ist zum Schreien, wenn

wie bei Schweinchen Schlau
gelabert, geneidet, personal gegoogelt, gehetzt, gehasst,

selbstgefällig, infantil denunziert,

diffamiert und intrigiert wird,

Menschen ohne vorherige Anhörung sanktioniert, viele in der Gemeinschaft darüber unwissend gelassen,
andere weggeekelt werden

auf Fragen, Bitten, Angebote, Anträge überwiegend nicht reagiert wird

Telefongespräche eröffnet werden mit: Das Gespräch hat nie stattgefunden

Konflikte mit Hilfe eines Rechtsanwalts behandelt, vor Gericht ausgetragen werden,
Chefs polarisieren und nicht integrieren, versagen

Weggucker, Schweiger, Ängstliche, IchWillDochNur

ihre Ruhe haben wollen, in vermeintlich sicherer Deckung bleiben

Es ist zum Schreien

Psst, seid leise, ich glaube wir werden belauscht, ich höre Schritte, die ICH, ICH, ICH.

Vorsicht! Da kommt noch einer herangetänzelt – wir hauen besser ab.

Servus!

Deep Purple - Child In Time - Live (1970)

Deep Purple – Child in Time – Live 1970

Text Ian Gillan

Sweet child in time
You’ll see the line
The line that’s drawn between
Good and bad

See the blind man
Shooting at the world
Bullets flying
Ohh taking toll

If you’ve been bad
Oh Lord I bet you have
And you’ve not been hit
Oh by flying lead

You’d better close your eyes
Ooohhhh bow your head
Wait for the ricochet

Child in Time – Das Lied der Hard-Rock-Band Deep Purple, geschrieben 1969, ein Protestsong gegen den Vietnamkrieg, der wohl zu den bekanntesten und wichtigsten Liedern der Rockmusik überhaupt zählt. Bis heute hat der Text an Aktualität im Großen und im Kleinen nicht verloren.